3. April 2022Peter Pionke
Es gibt so viele Wahrheiten wie Menschen

Man kennt das: eine Familienfeier steht an. Man versucht, heikle Gesprächsthemen zu vermeiden (Politik! Niemals über Politik reden!) und ist froh, wenn man später – trotz Alkohol – alle gefährlichen Klippen umschifft hat und sich freundlich verabschieden kann: „Ja, war schön! Bis zum nächsten Jahr!“ Uff!
Wenn man nicht selbst mittendrin ist und man vor lauter innerem Augenverdrehen schon Angst haben muss, dass einem die Augäpfel im Kleinhirn stecken bleiben, dann ist diese Situation – Familienfeier, bei der niemand sein will – die Blaupause für bissige Komödien voll schwarzem Humor.
Und genau hier setzt Autor Gabriel Calderón mit seinem Stück an: Ana kennt ihre Familie nicht. Ihre Mutter hat sie zeitlebens von ihren Großeltern ferngehalten, der Vater ist viel zu früh verstorben und auch um den Onkel gibt es ein dunkles Geheimnis.
Fragen dazu wurden zu Lebzeiten nie beantwortet und jetzt ist es zu spät. Ana kann so aber nicht leben. Sie will wissen, was in ihrer Familie passiert ist. Dabei soll Tadeo, ihr Freund, helfen. Der ist nämlich – zufällig – ein begnadeter Wissenschaftler und hat – zufällig – eine Zeitmaschine gebastelt. Und jetzt holt er die ganze zerstrittene Familie zurück ins Leben zu einer lustigen, versöhnlichen Familienfeier … soweit der Plan.

Der historische Hintergrund dieses Stücks aus Uruguay sind die dunklen Jahre der Diktatur und des Guerrillakampfes der Tupamaru- Rebellen. Geheime Foltergefängnisse, verschwundene Menschen, Attentate, Risse durch Gesellschaft und Familien: und über allem bis in die jüngste Vergangenheit ein Mantel des Schweigens.
Keine Opfer, keine Ankläger, keine Täter, keine Aufarbeitung. Lieber Schweigen als sich mit bitteren Wahrheiten auseinandersetzen. Aber so kann eine Gesellschaft nicht gesunden.
Der Autor versteht es meisterhaft, aus diesen Zutaten eine perfekt schnurrende, südamerikanisch schnelle Komödie zu schaffen. Das zugrundeliegende Thema wird aller Situationskomik zum Trotz ernsthaft verhandelt und ist damit auch für uns in Europa heute aktueller denn je. Denn nur, wer seine Geschichte kennt, kann darauf eine Zukunft aufbauen. Der international erfolgreiche Autor und Regisseur Gabriel Calderón ist seit 2022 Intendant der Comédia Nacional in Montevideo und wird in unserer hauseigenen Übersetzung zum ersten Mal in Deutschland gespielt.

EX. MÖGEN DIE MITSPIELER PLATZEN
›Ex – que revienten los actores‹ von Gabriel Calderón
Deutschsprachige Erstaufführung, Übersetzung von Peter Wallgram
Premiere: Samstag – 09. April 2022 -19:30 Uhr, Theater am Engelsgarten
Tickets und weitere Informationen unter schauspiel-wuppertal.de/ex
Gerne stellen wir die finale Textfassung der Übersetzung zur Verfügung.
Weitere Termine:
Sonntag – 10. April 2022 – 18:00 Uhr
Sonntag – 17. April 2022 – 18:00 Uhr
Freitag – 29. April 2022 – 19:30 Uhr
Samstag – 28. Mai 2022 – 19:30 Uhr
Künstlerisches Team:
Jenke Nordalm: Inszenierung
Vesna Hiltmann: Bühne & Kostüme
Peter Wallgram: Dramaturgie
Ulf Steinhauer: Musik
Alexander Sturm: Regieassistenz
Sarah Prinz: Bühnenbildassistenz
Léonard Bourrebocoud: Regiehospitanz
Ilja Betser: Inspizienz
Besetzung:
Alexander Peiler: José
Julia Meier: Ana
Kevin Wilke: Tadeo
Stefan Walz: Antonio
Konstantin Rickert: Jorge
Silvia Munzón López: Graciela
Yulia Yáñez Schmidt: Julia
Die Informationen zu unseren Corona-Schutzmaßnahmen werden laufen aktualisiert. Sie finden sie unter wuppertaler-buehnen.de/corona*
*Es bestehen keinerlei Einlassbeschränkungen mehr für die Veranstaltungen der Wuppertaler Bühnen. Sie benötigen einzig Ihre (medizinische oder FFP2-)Maske. An Steh- oder Sitzplätzen kann diese abgesetzt werden.
Tickethotline: +49 202 563 7666
KulturKarte, Kirchplatz 1, Wuppertal
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