8. April 2022Peter Pionke
Ukrainisches Essen für Flüchtlinge: Ein Hauch von Heimat
Die Bürgerinitiative „Stand With UA“ hat 150 Flüchtlinge in das Restaurant „The Bronx Bar“ eingeladen. Die Idee stammt von Julia Gusakova. Die aus der Ukraine geflüchteten Frauen und Kinder sind ganz in der Nähe in den Düsseldorfer Messehallen untergebracht. Gastronom Shomon, der aus Bangladesh stammt, ist so großzügig, sein Lokal aus Solidarität mit den Flüchtlingen kostenlos zur Verfügung zu stellen.
In mehreren Etappen kommen Frauen mit ihren Kindern, nehmen an den Tischen Platz. Freundliche, höfliche, dankbare Menschen. Serviert werden u.a. Schweinespeck mit Lauch, Gurken, Kartoffelsalat und das ukrainische Nationalgericht Borschtsch. Dazu gibt es Softgetränke.
Oliver Schreiber, Vorsitzender der SPD Düsseldorf, der auf Einladung von Yevgen Besedin mit einer Parteilkollegin im Restaurant „The Bronx Bar“ vorbeischaut, hilft beim Servieren der Speisen und Getränke.
Die leckeren Gerichte haben Frauen der Initiative „Stand With UA“ in der Küche des Restaurants liebevoll zubereitet. „Wir wollen mit unserer Einladung einfach ein wenig Abwechslung in den Alltag der Flüchtlinge bringen, die in ständiger Angst um ihre Angehörigen in der Urkarine leben“, erklärt Yevgen Besedin, Gründer der Bürgerinitiative „Stand With UA“. Ukrainisches Essen – ein Hauch von Heimat.
Bei den Kindern scheint die Ablenkung auch wirklich zu klappen. Sie geniessen ihre Limonade und spielen miteinander. Bei den Frauen und dem einen älteren Mann ist die Stimmung eher gedämpft. Nicht zuletzt deswegen, weil viele gerade erst die grauenvollen Bilder vom mutmasslichen Völkermord im Kiewer Vorort Butscha auf ihrem Smartphone gesehen haben.
Yevgen Besedin ist erschüttert: „Was sind das für Menschen, die so etwas Grausames anrichten. Das waren Zivilisten, die niemanden etwas getan haben. Verantwortlich für diese Verbrechen ist Putin. Fast alle von uns haben Verwandte in Russland. Wir brechen auch nicht den Stab über alle Russen. Sogar in unserer Initiative gibt es Mitglieder, die einen russischen Pass besitzen. Das zeigt doch, dass man friedlich zusammen leben, vertrauensvoll zusammen arbeiten und sich gemeinsam für den Frieden engagieren kann.“
Rosemarie Gundelbacher, Ex-Stadtverordnete in Wuppertal und Mitgründerin von „Stand With UA“, schildert einen weiteres blutiges Drama in der Ukraine: „Bei uns herrscht große Trauer, weil 13 Frauen einer Hilfs-Initiative, mit der wir sehr eng kooperiert haben, in der Stadt Nikolajew bei einem russischen Raketenangriff auf einen Schlag ums Leben gekommen sind. Sie wollten doch nur helfen und Essen an Landsleute verteilen.“
Olga Boguslavski, Anwältin mit ukrainischen Wurzeln, die schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt und jetzt die geflüchteten Frauen bei Behördengängen und bei der Job-Suche unterstützt, hat eine hochschwangere Frau bei sich zuhause aufgenommen.
„Sie ist natürlich sehr traurig, dass sie ihr erstes Baby ohne ihren Mann zur Welt bringen muss. Aus Sorge um den Vater des Kindes, der in der Ukraine bleiben musste, schaut sie immer wieder auf ihr Handy, wartet auf hoffentlich positive WhatsApp-Nachrichten“, erklärt die Juristin, die vier Sprachen fließend spricht: Russich, Ukrainisch, Englisch und Deutsch.
Das Ehepaar Iryna Grossu und Yevgen Besedin, das seit Mai 2000 in Wuppertal lebt und sich hier eine Zukunft aufgebaut hat, freut sich über die durchweg positive Resonanz der Einladung zum ukrainischen Essen, das die Frauen und Kinder für ein paar Stunden vom grauen, traurigen Kriegs-Alltag in der Heimat ein wenig abgelenkt hat.
Für sie steht fest: Es wird sicher eine Wiederholung geben. Und „Bronx“-Wirt Shomon hat schon signalisiert, dass er sein Lokal auch dann wieder kostelos zur Verfügung stellen wird. Eine tolle Aktion!
Text Peter Pionke
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