3. April 2025

Steht Weltkonzern Brose in Wuppertal vor dem Abschied?

Bleibt der Weltkonzern Brose in Wuppertal oder bleibt er nicht? Diese Frage beschäftigt die 200 Brose-Mitarbeiter am Ronsdorfer Standort aktueller denn je. Der Mietvertrag mit dem Cronenberger Unternehmen Knipex läuft Ende 2026 aus. Die Brose-Hallen an der Otto-Hahn-Straße 34 sind bereits weitgehend leergeräumt.

Der Brose-Standort in Wuppertal-Ronsdorf – © Siegfried Jähne

Ob es dennoch auch künftig noch ein Wuppertaler Standbein geben wird, bleibt für ihre 200 Mitarbeiter derzeit aber noch ungeklärt. Vieles spricht indessen dagegen. Dabei klang die offizielle Antwort der Firmenleitung Brose Fahrzeugteile SE & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg, im letzten Jahr noch beruhigend. „Ja, auch nach dem Ende der Fertigung hält Brose am Standort Wuppertal fest: Die Entwicklung unserer Schließsysteme treiben wir weiterhin in Ronsdorf voran“.

Neuere Signale aus der Coburger Firmenzentrale lassen indessen heute eine andere Deutung zu, nicht nur, weil eine neues Domizil am hiesigen Standort nicht in Sicht ist. Die Mitarbeiter sind verunsichert und schließen einen Poker zu ihren Lasten nicht mehr aus.

Brose und Knipex nicht mehr einig?

Der in Wuppertal Cronenberg ansässige Zangenhersteller „Knipex“, die C. Gustav Putsch KG, ist seit 2023 Eigentümer der Werksanlage und hat hier  bereits ein neues Logistikzentrum errichtet. Knipex-Chef Ralf Putsch antwortete auf unsere entsprechende Anfrage im letzten Jahr, dass man die Werksanlage nicht gekauft habe, um hier Mieterträge zu generieren.

Brose könne für die nächsten Jahre allein entscheiden, ob man den Standort weiter nutzen wird – der Vertrag sehe entsprechende Optionen vor. Inzwischen gibt es hier durchaus widersprüchliche Informationen. So habe Brose in einer firmeninternen Sitzung auf entsprechende Nachfrage erklärt, man hätte sich gerne länger als zwei Jahre binden und auch eine höhere Miete zahlen wollen. Hierauf habe sich Knipex nicht eingelassen.

Gähnende Leere in den Produktions- & Lager-Hallen – © privat

Weltweite Autoproduktion stagniert seit 2017

Im Raum stehen nicht nur die jüngsten Handels-Zölle der Amerikaner. Fakt ist auch, die weltweite Autoproduktion stagniert schon seit 2017. Allerorten wird von Milliardenverlusten berichtet. Brose wird wie viele andere Autozulieferer von der Dauerkrise der Branche ausgebremst, Riesen wie Bosch, Continental, Zahnrad Fabrik (ZF) Friedrichshafen streichen inzwischen Stellen.

Auch der 77 Jahre alte Brose-Firmenchef Michael Stoschek kündigte Ende 2024 für sein Unternehmen rote Zahlen an. Danach habe das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2024 bei einem Umsatz von 7,7 Mrd. EUR  einen Verlust von 53 Mio. EUR eingefahren. Fehlende Auslastung der Produktion und steigende Kosten belasteten das Ergebnis.

Aktuell haben die Ereignisse rund um die Firma Brose die Aufmerksamkeit der Fachpresse „Managermagazin“ und „INDUSTRIEMAGAZIN“ auf sich gezogen. Hier titelt man: „Autozulieferer Brose in der Krise“. Brose wachse nicht mehr wie gewohnt – im Gegenteil. Brose brauche aber konstantes Wachstum, um Gewinne zu erzielen, die nur bei maximaler Auslastung möglich seien.

Bis 2027 rechnet Brose „mit einem nur sehr geringen Umsatzwachstum“, wie ein Insider im Manager-Magazin zitiert. Hintergrund: Wettbewerber haben aufgeholt, asiatische Anbieter sind günstiger, nicht nur ihre Autobauer sind erstarkt, sie haben auch ihre eigenen Lieferanten großgezogen. „Statt zu investieren, hat Brose das Angebot  immer weiter ausgedünnt“, schimpft ein Insider.

Wie lange wehen die Brose-Fahnen noch in Wuppertal? – © Siegfried Jähne

Firmenchef Michael Stoschek arg in Bedrängnis.

Dem Brose-Werk in Würzburg mit 1.400 Mitarbeitern droht jetzt die Schließung. Die Aufregung ist nicht gerade gering. “Bayern 3-Nachrichten“ zitiert Raymond Mutz, Geschäftsführer des Brose-Bereichs Antriebe, der neben hohen Personalkosten und der schwierigen Marktentwicklung auch Managementfehler als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt.

Bei einer brisanten Betriebsversammlung im Coburger Kongresshaus Rosengarten geriet Firmenchef Michael Stoschek arg in Bedrängnis. Insiderkreise berichteten von einem Aufschrei und davon, dass Stoschek demnächst wohl auch noch Urlaubstage und Home-Office streichen wolle. Das mache Tesla-Chef Elon Musk schließlich auch so, habe er bemerkt..

Ein G’schmäckle am Rande: Während die Schließung des Würzburger Brose-Betriebs diskutiert wird, eröffnet die Firma am Berliner Ring in Bamberg seine Kindertagesstätte für Mitarbeiters Teil einer 60 Millionen Euro teuren Erweiterung. Dabei räumte die Firma hier laut dem „Fränkischer Tag“ (Ausgabe vom 22.02.25) überraschend Fehler ein.

Der Firmenchef sei in den Jahren zum Alleingesellschafter des Weltkonzerns aufgestiegen. Das Vermögen von Stoschek und seiner Schwester Christine Volkmann (77) wird in den Medien mit 2,8 Milliarden Euro beziffert. Stoschek ließ mit seiner Firmenpolitik schon einige Male aufhorchen.

Viel freier, ungenutzter Platz in den Produktions- & Lagerhallen – © privat

So steckte er nach eigenen Angaben allein in den letzten Jahren 85 Millionen Euro in den am Stammsitz in Bamberg angesiedelten Basketballverein „Brose Baskets“. Nach neun deutschen Meisterschaften zwischen 2005 und 2017 stürzte der Club ab und ist heute als „Bamberg Baskets“ nur noch  in der Abstiegszone der Basketball-Bundesligatabelle zu finden.

„Von Mechatronik versteht der Ronsdorfer Betrieb etwas“

In Ronsdorf setzt man indessen auf das Mitarbeiterpotential und den eigenen Erfahrungsschatz aus der Jahrzehnte währende Tradition in der Schlösser-, Schmiede, und Feinmechanik-Industrie. Seit 1904 wurden hier „Schlösser und Beschläge“ für den Weltmarkt gefertigt. Damals noch in der Ägide von Bocklenberg & Motte, später auch von der  Stuttgarter Bosch-Gruppe, dem internationale führenden Technologieunternehmen.

In der kurzen Bosch-Ära war der Wuppertaler Markus von Blomberg Geschäftsführer in Ronsdorf. Der Dipl.-Wirtsch.-Ing. Markus von Blomberg urteilt mit seiner internationalen Industrieerfahrung: „Wuppertal und das Bergische Land eignen sich nach wie vor hervorragend, nicht nur wegen der Nähe zu Schlüsselkunden. Egal unter welchem Namen die Mitarbeiter heute tätig sind“.

Der renommierte Wuppertaler Manager und Unternehmer Markus von Blomberg – © Mello GmbH

Tatsächlich bietet der Wuppertaler Standort mit seiner technischen Kompetenz Vorteile für das Unternehmen, die nicht so ohne weiteres verlagert werden können. Die Rede ist von Testanlagen, wie z.B. einer Klimakammer. Noch kürzlich warb das Unternehmen öffentlich um Auszubildende für seine deutschen Standorte, Coburg, Bamberg/Hallstadt, Würzburg, Berlin und auch Wuppertal und begrüßte 50 junge Talente zum Start des Ausbildungsjahres 2024.

Es wäre sicher ein großer Verlust für alle Beteiligten, wenn dieses riesige Potential am Wuppertaler Standort keine Zukunft mehr hätte.

Text: SIEGFRIED JÄHNE

 

Link zur Webseite von Brose:

http://www.brose.de

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